bloody paradise shahram entekhabi  

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bloody paradise video by shahram entekhabil


video, 4:43 min.. color sound
(fragment, ca. 60 sec.)

Bloody Paradise video, 4:43 min.. color sound (video stills)  

performer Shahram Entekhabi

 


Shahram Entekhabi, London 2006

 

Bloody Paradise is a performance that took place in November 2006 in front of Harrods´warehouse in Knightsbridge, London. During that time in every one of its 72 windows Harrods´ featured a major marketing initiative for Casiono Royale, the 21st film in the James Bond series. Several windows were recreating some of the sets featured in the film and were utilising actual props from the movie.
The protagonist of the performance is wearing a punky outfit with numerous spikes, traditional badges and a shocking black make-up. Also he is helding a self-made sign with the words „Bloody Paradise“ written in a deep-red dripping bloody font. As in previous performance based works, Entekhabi wears a big “M” (as an indication for “Muslim”) on his collar.

Bloody Paradise
Das Paradies ist Inbegriff des Guten, Ort der Unschuld, eine Beschreibung des Zustands, bevor das Böse in die Welt kam. Ein „Bloody Paradise” ist, so gesehen, ein Widerspruch in sich. Dennoch kann man es darstellen, zum Beispiel in Form eines Schriftzugs, dessen Buchstaben zu bluten scheinen.
November 2006 in der Londoner Innenstadt: Das Kaufhaus Harrod's bewirbt mit einer aufwändigen Schaufensterdekoration den James Bond-Film „Casino Royal”, dessen Premiere kurz bevorsteht. Vor den Schaufenstern mit den drapierten Puppen in Cocktailkleidern und den Bildschirmen, über die der Trailer des Bond-Films flackert, steht ein Mann. Er ist schwarz gekleidet und hält ein Schild hoch. Auf dem weißen Schild steht in roten zerfließenden Buchstaben das Wort „Paradise”. Darunter ein roter Pfeil. Der Mann steht reglos im Strom der Passanten, die sich entweder für sich selbst, für die Schaufenster, selten für ihn oder das Schild interessieren. Der regungslose Blick, die kontrollierte, aber gespannte Haltung und seine schwarze, mit Nieten besetzte Uniform verleihen ihm die Aura eines Kämpfers. Ein achteckiger Stern ziert seine Brust. Er besteht aus zwei ineinander verschränkten weißen Quadraten, die ein großes grünes „M” umrahmen.
Es ist vor allem die den Straßenlärm überdeckende Tonspur des Trailers, die dazu beiträgt, dass das Geschehen vor und hinter dem Schaufenster als Einheit wahrgenommen wird. Durch die atemlosen Dialoge, die spitzen Schreie des in Not geratenen Bond-Girls und die charakteristische dräuende Melodie wandelt sich die harmlose Demonstration vor dem Kaufhaus in ein Bedrohungsszenario, in dem jedes noch so nebensächliche Detail erhöhte Alarmbereitschaft auslöst.
Die Symbolik der Bond-Filme müsste in jedes Lexikon profaner zeitgenössischer Ikonografie aufgenommen werden. Dabei sind es weniger die Sujets selbst, die wie Autos oder Waffen, wie Anzüge oder Frisuren die Bond-Filme prägen, als vielmehr die Tatsache, dass sie in der Regel eine eindeutige Zuordnung, entweder zum Guten oder zum Bösen erlauben. Den Bösewicht im Bond-Film erkennt man gerne an seiner missgestalteten Figur oder dem Glasauge. Es ist diese idiotensichere Semantik, derer sich Shahram Entekhabi bedient, um den Schildträger in eine Figur des Misstrauens zu verwandeln, das Emblem auf seiner Brust in einen Verweis auf die muslimische Identität, seine bewegungslose Starre in die Ankündigung eines kurz bevorstehenden Gewaltausbruchs.
Unvermittelt bricht der Film ab. Der unheimliche Schwarze schultert sein Schild, überquert die Straße und verschwindet in einer Bar. Ein Werbegag, ausgeführt durch einen Tagelöhner, dem Träger vergleichbar, der im Auftrag von McDonalds mit einem Schild die Richtung zur nächsten Filiale weist? Welche Rolle spielt die Phantasie, welche Rolle die Erzählungen der Unterhaltungsindustrie in unserer Wahrnehmung? „Bloody Paradise” demonstriert, wie gerne wir bereit sind, den Glauben an das Paradies, den Glauben an die Unschuld, zu opfern, sofern uns dafür eine spannende Geschichte geboten wird.

 

 

 

 

 

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