Shahram Entekhabi
www.entekhabi.org

 

Islamic Vogue
2001-05

acrylics and permanent marker on fashion magazine

Shahram Entekhabi’s piece “Islamic Vogue”, 2001-2005, openly confronts the question of visibility and Islamic alienation, as raised by the pages of the fashion magazine which dictates the order of the day all over the world on questions of “beauty” and “fashion”, and dictates Western taste. Entekhabi “dresses” the attractive models in the black modest garb of the Muslim woman and drapes their faces with the veil which is an inseparable part of the outfit. For Muslim society, a woman’s religion and definition is tied by an umbilical cord to traditional dress, which lends the Muslim woman a particularly glaring appearance on European streets. Above all, these clothes indicate the difficult meeting of the assimilated culture into the assimilating culture of the Europeans, who view this garb as a symbol of the subjugation of women in the name of religion. Religious zeal is linked in Western minds to fear of terrorism, and so hiding a woman’s face becomes a genuine threat. For Muslims being assimilated into a new society whose values are radically different, traditional dress represents maintaining their religious values.
The piece therefore touches on the raw nerve which has made the bodies of Muslim women, who are in any case torn between the values of their communities and their ability to assimilate into the new culture, a battle ground. In many Western states the question of the Muslim veil has become a central bone of contention between secular governments and the representatives of Muslim communities. In France a prohibition has been enacted against wearing head covering of any kind – even one revealing the face – in schools or any public institution – in the context of the complete separation the Republic enforces between church and state. In Holland the government passed a controversial law entirely forbidding the wearing of veils in public. A number of cities in Belgium have independently prohibited the wearing of veils in public. In Italy the Prime Minister has derided the veil as an obstacle to social cohesion, and wearing it has been prohibited by anti-terror laws which forbid obscuring one’s identity. In Germany four counties have forbidden teachers to teach while wearing a veil.

 

shahram entekhabi islamic vogue
All heads and bodies of women in European fashion magazines are covered by the black veil.

 


Das Verhüllungsgebot für gläubige Schiitinnen in Form des schwarzen Tschadors und
des Niqab geriet im Zuge der islamischen Revolution zur einzig möglichen
öffentlichen Erscheinungsform der Iranerinnen. Gleichzeitig setzte eine Zensur von
Abbildungen unverschleierter Frauen in Büchern und Zeitschriften in den Beständen
öffentlicher Bibliotheken ein: Bilder von unverhüllten weiblichen Köpfen und
Körperteilen wurden entweder aus den Druckerzeugnissen herausgeschnitten oder
übermalt und so in eine gültige Ästhetik überführt. Der Tschador wurde nach den
Anschlägen vom 11. September zur Metapher für den radikalen Islamismus, aber auch
für die - stark vom Westen gelenkte - Frage nach der Befreiung der Frauen im
Mittleren Osten.
In seiner Serie „Islamic Vogue", die Shahram Entekhabi im Jahre 2001 begann,
betreibt er in einer Art ironischen Mimikry dieser Zensurmethoden die
Islamisierung der westlichen Mode-Welt, indem er alle in der deutschen Ausgabe der
Zeitschrift „Vogue" abgebildeten Frauen mit Tschador und Niqab verhüllte. Von
Seite zu Seite variieren nur mehr die Überschriften, die mit dem immer gleichen
aktuellen „Look" der Schiitinnen mitunter absurde Kombinationen eingehen. Auch
spiegelt „Islamic Vogue" die Tendenz unter aufgeklärten Frauen in der islamischen
Welt, unter dem Schleier westliche Mode zu tragen - ein Aufbegehren gegen die
Uniformität und eine Dehnung der Regeln für das öffentliche Erscheinungsbild von
Frauen.
Es ist ein unheimliches Bild, das uns Shahram Entekhabi vorsetzt. Einerseits ist
es die beklemmende Tatsache, dass viele Frauen diesen Zwängen ausgesetzt sind.
Unweigerlich erinnern diese Bilder gar an schwarze Witwen, wie wir sie aus
Presseberichten kennen. Anderseits befragen die Bilder auch die oft fragwürdigen
Schönheitsideale der westlichen Welt. Zwei Kulturen stossen in Shahram Entekhabis
Arbeit aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht dargestellt werden könnten.
Fünf Magazine aus den Jahren 1999 bis 2005 wurden in den vergangenen Jahren
bemalt. Entstanden sind so wiederum verfünffachte Gedankenträger, die in ihrer
Gestalt als Unikate verstanden sein wollen.
Shahram Entekhabi hat alle Abbildungen von Frauen in den Vogue-Zeitschriften mit
schwarzem permanent marker so bemalt, dass die Modells in Tschador und Niqab
gekleidet wurden und jeweils nur noch die Augenpartie offen geblieben ist. Die
Frontseite der Magazine wurde mit Acryl-Farbe bemalt. Die Magazine werden in einer
schwarzen Kassette auf einem edlen roten Stoffbezug angeboten. Die Kassette hat
die Masse 46,5 x 33,5 x 4 cm und erlaubt, dass das Heft aufgeschlagen hineinpasst
und so präsentiert werden kann.
Jürg Nyffeler, 2005


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