ISLAMIC CARDING
EXPANDED / IMMATERIAL INTERVENTIONS
ISLAMIC CARDING
EXPANDED / IMMATERIAL INTERVENTIONS
ISLAMIC CARDING
PASS, 2021
Virtual exhibition and performance
Tehran, Iran
June 25 – August 27, 2021
Das Werk:
Eine Installation aus 605 original "Prostitutes' Cards", gesammelt aus Londoner Telefonzellen. Jede dieser Karten, die im öffentlichen Raum für sexuelle Dienstleistungen werben, habe ich mit einem schwarzen Permanentmarker überarbeitet – ich habe die nackten oder halbnackten Körper der Models mit der Silhouette eines Tschadors, der traditionellen Verschleierung, übermalt. Entstanden ist eine monumentale, 400 x 160 cm große Installation, die 605 Mal dieselbe Geste wiederholt: die Überschreibung eines westlichen Bildes mit einem östlichen Zeichen der Verhüllung.
Die Themen:
Sichtbarkeit und Zensur: Die Arbeit konfrontiert zwei gegensätzliche "Bildregime" – die westliche Ökonomie der sexuellen Freizügigkeit (der Körper als Ware, "All services 24 Hrs") und die islamische Tradition der Verschleierung (der Körper als zu schützendes Geheimnis). Beide Systeme sind extrem, beide produzieren Gewissheiten und Ängste.
Die Geste des Überschreibens: Indem ich die Bilder mit dem Tschador übermale, tue ich etwas scheinbar Gewaltsames. Aber ich mache damit sichtbar, wie Bilder immer schon überschrieben sind – von kulturellen Codes, von ökonomischen Interessen, von politischen Ideologien. Der Tschador wird hier zum Symbol für jede Form der Bildzensur – egal ob sie von radikalen Islamisten oder von westlichen Werbestrategen ausgeübt wird.
Ironie und Reflexion: Die Arbeit ist nicht parteiisch. Sie klagt nicht an, sondern stellt aus. Sie zeigt, dass beide Kulturen ihre blinden Flecken haben: der Westen seine Angst vor dem, was sich nicht zeigt; der Osten seine Angst vor dem, was sich zeigen könnte.
PROJECT CONTEXT
Initiated and organized by Shahram Entekhabi as an artist-led project, Pass (2021) was conceived as a virtual exhibition and performative event developed in a rural setting near Tehran, taking place between June 25 and August 27, 2021.
Initiated and organized by Shahram Entekhabi, the project brought together six Iranian artists — Tara Abtahi, Shahram Entekhabi, Hanie Kashani, Shiva Seyedi, Farnaz Naserbakht, and Hesam Nikfal — and was curated by Asieh Salimian and presented by Factory TT.
Emerging in a moment marked by both the restrictions of the COVID-19 pandemic and the structural limitations of the Iranian art scene, the project responded to the lack of accessible platforms and institutional support. By relocating artistic production outside conventional exhibition spaces, Pass proposed an alternative model of visibility based on collaboration, immediacy, and self-organization.
Positioned beyond the framework of the white cube, the project emphasized artistic autonomy, collective presence, and the necessity of redefining the conditions under which art can be produced, shared, and experienced.