"BOXER" und "Atlas" – Die introspektive Verdichtung
EXPANDED / IMMATERIAL INTERVENTIONS
"BOXER" und "Atlas" – Die introspektive Verdichtung
EXPANDED / IMMATERIAL INTERVENTIONS
"BOXER" und "Atlas" – Die introspektive Verdichtung
PASS, 2021
Virtual exhibition and performance
Tehran, Iran
June 25 – August 27, 2021
"BOXER" (Tuschzeichnung):
Ein älterer Mann im Anzug sitzt auf einem Koffer inmitten eines Boxrings. Die Seile des Rings sind rot-weiß gestreift – eine Anspielung auf das Absperrband aus "No Exit". Der Mann wartet. Er kämpft nicht, er bereitet sich nicht vor. Er sitzt einfach da, die Boxhandschuhe um den Hals, die Hände auf den Knien. Das Bild strahlt eine tiefe Ruhe und Melancholie aus – ein Moment des Innehaltens mitten im Kampffeld.
"Atlas" (abstrakte Zeichnung):
Eine stilisierte Figur trägt eine Weltkugel, aber beide – Figur und Kugel – sind aus einem fließenden Schachbrettmuster aus roten und weißen Quadraten gebildet. Das Muster erstreckt sich wie eine Welle über das Blatt, löst sich auf, wird wieder dicht. Es ist eine Abstraktion der Last, eine Visualisierung davon, wie Identität aus vielen kleinen, sich überlagernden Mustern besteht – aus Codes, die sich ständig verschieben und neu zusammensetzen.
Zeichnungen wie „BOXER“ und „Atlas“ vor. „BOXER“ zeigt die wartende Figur im Konfliktraum des Boxrings – eine Ikone der gehaltenen Spannung und Introspektion. „Atlas“ wiederum übersetzt den mythologischen Lastträger in ein abstraktes, fließendes Schachbrettmuster. Diese Arbeit visualisiert für mich das visuelle Rauschen und die Überlagerung von Codes, das „excess signal“, das unser Wahrnehmungsfeld oft überlastet. Gemeinsam verdichten diese Arbeiten die thematischen Kerne meiner Praxis in eine stille, kontemplative Form und schlagen eine Brücke zwischen der epischen Erzählung des Videos und der räumlichen Geste der Performance.
PROJECT CONTEXT
Initiated and organized by Shahram Entekhabi as an artist-led project, Pass (2021) was conceived as a virtual exhibition and performative event developed in a rural setting near Tehran, taking place between June 25 and August 27, 2021.
Initiated and organized by Shahram Entekhabi, the project brought together six Iranian artists — Tara Abtahi, Shahram Entekhabi, Hanie Kashani, Shiva Seyedi, Farnaz Naserbakht, and Hesam Nikfal — and was curated by Asieh Salimian and presented by Factory TT.
Emerging in a moment marked by both the restrictions of the COVID-19 pandemic and the structural limitations of the Iranian art scene, the project responded to the lack of accessible platforms and institutional support. By relocating artistic production outside conventional exhibition spaces, Pass proposed an alternative model of visibility based on collaboration, immediacy, and self-organization.
Positioned beyond the framework of the white cube, the project emphasized artistic autonomy, collective presence, and the necessity of redefining the conditions under which art can be produced, shared, and experienced.